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Wahrnehmung - Allgemeines Modell


Es gibt bis heute keine einheitliche Theorie der Wahrnehmung. Vielmehr muß man un-
terscheiden, welchen Bereich man betrach-
tet. So spielen auf der Seite der Reize phy-
sikalische als auch physiologische Gesetze eine Rolle. Der Aufbau des Gehirns ist neu-
rophysiologisch und die Arbeitsweise des Gedächtnisses ist wiederum lerntheoretisch zu betrachten. Diese Aspekte werden im weiteren Verlauf als Einflußfaktoren des Wahrnehmungsprozesses aufgefaßt. An dieser Stelle soll zunächst ein psycholo-
gisches Modell der Wahrnehmung erläutert werden.

Gegenstand der Erläuterungen ist das Mo-
dell der Wahrnehmung nach Murch und Woodworth (vgl. Murch & Woodworth, 1978; S. 24-31). Dabei handelt es sich um ein Modell auf Grundlage einer phänomenolo-
gischen Anschauung.


Diese theoretische Richtung ist auf die Gestaltpsychologie zurückzuführen. Unter dem aus dem Griechischen kommenden Begriff Phänomenologie versteht man, Er-
scheinungen im menschlichen Bewußtsein zu analysieren (vgl. Schönpflug & Schön-
pflug, 1995; S. 66). Gegenstand der Unter-
suchungen sind Phänomene und dem-
zufolge das gesamte Erleben (vgl. Dorsch, 1994; S. 566).

Im Mittelpunkt des Modells befindet sich das sogenannte Perzept. Unter diesem Begriff versteht man ein Wahrnehmungs-
ergebnis, welches durch äußere Reize in Kombination mit vorhandenen Gedächtnis-
inhalten entsteht (vgl. Murch & Woodworth, 1978; S.11). Schönpflug und Schönpflug sprechen von einem inneren Modell (vgl. Schönpflug & Schönpflug, 1995; S. 103).

Modell der Wahrnehmung
Wahrnehmung nach Murch & Woodworth (1978)




Die Reize aus der Umwelt gelangen zu-
nächst über Rezeptoren und Nervenbahnen in die weitere Verarbeitung im menschlichen Gehirn (Reizspeicher). Der Reizspeicher enthält sozusagen die Informationen, wel-
che die Umwelt liefert. Zum einen kann eine direkte Reaktion ausgelöst werden. Dies nennen Murch und Woodworth eine efferente Weiterverarbeitung. Dazu zählen zum Beispiel Orientierungsreaktionen oder auch die Hell- /Dunkeladaption (vgl. Murch & Woodworth, 1978; S. 23-24). Unter effer-
enter Verarbeitung versteht man eine Reak-
tion, welche eine nachfolgende Reizaufnah-
me beeinflußt. Zum anderen werden die Inhalte des Reizspeichers mit Inhalten aus dem Gedächtnis verbunden bzw. verglichen. Es entsteht das Perzept. Dadurch ist ein

Verstehen des Wahrgenommenen über-
haupt erst möglich (afferente Verarbeitung). Dieser Wahrnehmungsvorgang läuft unbe-
wußt oder vorbewußt ab, daher spricht man auch vom subliminalen Charakter der Wahrnehmung (vgl. Birbaumer & Schmidt 1996, 514). In manchen Fällen vollzieht sich die Verarbeitung jedoch nur auf Grundlage der aufgenommenen Umweltreize (vgl. Murch & Woodworth, 1978; S. 24-26). Dies ist zum Beispiel bei Dingen der Fall, welche wir zum ersten Mal sehen. Somit müssen diese Informationen erst länger und tiefer verarbeitet werden. Eine solche Verarbeit-
ung ist an Bewußtsein und damit an Auf-merksamkeit gebunden. Man kann diesen Prozeß sehr gut an Interfaces von Web-
sites beobachten.




Personen mit wenig oder gar keiner Internet-
erfahrung benötigen sehr viel mehr Zeit, um an gewünschte Informationen zu gelangen. Sie müssen die wahrgenommenen Reize erst tiefer verarbeiten, um ihnen eine Bedeu-
tung zu geben. Erfahrene Benutzer dagegen erledigen die gleichen Aufgaben schneller. Bei dem Verhältnis zwischen Wahrneh-
mung und Gedächtnis handelt es sich dem-
zufolge um eine wechselseitige Beziehung. Erfahrung beschleunigt den Vorgang des Erkennens und die Wahrnehmung fördert wiederum die Erfahrungsbildung (vgl. Schönpflug & Schönpflug, 1995; S. 107).


Bei der afferenten Verarbeitung können einige Informationen die Schwelle vom Kurz-
zum Langzeitspeicher nicht überwinden. Das bedeutet, daß diese verlorengehen (vgl. Murch & Woodworth, 1978; S. 26). Wahr-
scheinlich handelt es sich um solche Reize, denen keine Bedeutung zugeordnet werden kann. Das könnte im Internet Seiten betref-
fen, welche keine inhaltliche Zuordnung er-
lauben.

Wahrnehmungserlebnisse ohne äußere Rei-
ze sind Träume, Halluzinationen u.ä., auf welche hier nicht näher eingegangen wird.



Literatur

Dorsch, F., Häcker, H., Stapf, K. (Hrsg.). (1994). Psychologisches Wörterbuch. Bern / Göttingen: Hans Huber

Murch, G.M., Woodworth, G.L. (1978). Wahrnehmung. Stuttgart: Kohlhammer.

Schönpflug, W., Schönpflug, U. (1995). Psychologie. Weinheim: Beltz





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