Dirk Steinborn - Watamu Design Berlin  


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Farbe


Physiologie

Bei sichtbarem Licht handelt es sich um elektromagnetische Schwingungen mit einer Wellenlänge zwischen 400 und 800 nm (Spektralfarben). Kurzwelliges Licht wird von uns als die Farbe Blau, Licht mittlerer Wel-lenlänge als grün und langwelliges Licht als rot empfunden (vgl. Küppers, 2000).

Die meisten Menschen können mehrere Mil-
lionen Farbunterschiede wahrnehmen. Die unterschiedlichen Farbtöne entstehen zum einen durch Lichtabsorbtion und -reflexion. Dann spricht man von einer subtraktiven Mi-
schung. Zum anderen werden verschieden Farbtöne durch eine additive Mischung er-
zielt. Mittels rot, grün und blau (Primärfar-
ben) lassen sich alle denkbaren Farben er-
zeugen. Das additive Modell gilt immer bei Objekten, welche selbstleuchtend sind (vgl. Küppers, 2000). Da Websites an einem Computerbildschirm (der Lichtquelle) dargestellt werden, gilt dort natürlich auch dieses Paradigma (RGB-Modell). Weißes

Licht entsteht zum Beispiel durch eine dek-
kungsgleiche Mischung der drei Primärfar-
ben. Das Modell wurde erstmals von Tho-
mas Young im 18. und 19. Jahrhundert ent-
wickelt und wird auch als trichromatische Theorie der Farben bezeichnet (von nicht-
chromatischen oder unbunten Farben spricht man bei dem Spektrum Weiß-Grau-
Schwarz). Die Zapfen der menschlichen Re-
tina besitzen genau drei Farbstoffe, welche besonders empfindlich für jeweils eine Pri-
märfarbe sind (Nathans, 1990; S. 42-43).

Den Zapfen (und Stäbchen) sind Ganglien-
zellen auf der Netzhaut vorgelagert. Diese Zellen sind in sogenannte rezeptive Felder mit einem Kern sowie einer Peripherie auf-
geteilt. Fällt Licht auf diese kreisförmigen Bereiche, verhalten sich Kern und Periphe-
rie jeweils entgegengesetzt zueinander. Re-
zeptive Felder werden weiterhin in on-
Zentrum-Neurone und off-Zentrum-Neurone unterteilt (vgl. Grüsser & Grüsser-Cornehls, 1973; S:123-125). Es gibt solche Felder für exakt drei Farbkombinationen.

Rezeptive Felder
Rezeptive Felder der Netzhaut nach Grüsser & Grüsser-Cornehls (1973)



An dieser Stelle setzt eine zweite Theorie an, welche auf Hering (1920) zurückgeht - die Gegenfarbentheorie. Hering bezeichnete die Farben Rot, Grün, Gelb und Blau als Ur-
farben. Die Theorie entstand durch Befunde, daß eine starke Aktivierung (Blendung) der einen Farbe eines rezeptiven Feldes ein Nachbild in seiner Gegenfarbe verursacht (vgl. Handwerker, 1993; S. 302-303). Beide Theorien können als gültig angesehen wer-
den, beziehen sich aber auf unterschied-
liche Bereiche der retinalen Informations-
aufnahme (vgl. Birbaumer & Schmidt, 1996; S. 383).

Die Organisation der Ganglienzellen der Netzhaut in rezeptive Felder ist ebenfalls für das Phänomen des Simultankontrastes ver-
antwortlich, welcher durch Erregung und Hemmung dieser entsteht. Unter Simultan-
kontrast versteht man, daß ein Farbton unterschiedlich hell bzw. dunkel wahrge-
nommen wird in Abhängigkeit seines Hinter-
grundes. So erscheint ein grauer Kreis auf weißem Hintergrund dunkler als auf einem schwarzen (vgl. Küppers, 2000). An den

Grenzen der beiden Farbflächen wirken die Übergänge besonders akzentuiert. Diese Akzentuierungen der Kontraste an Farb-
übergängen werden als Mach-Bänder be-
zeichnet und erleichtern das Wahrnehmen von Formen und verbessern die Schärfe des Sehens (vgl. Birbaumer & Schmidt, 1996; S. 375).

Sind im Wahrnehmungsfeld (zum Beispiel einer Website) mehrere Farben zu sehen, können diese als harmonisch oder dishar-
monisch empfunden werden. Harmonien lassen sich nach Küppers durch folgende Kombinationen realisieren:

- benachbarte Farben
- Farben der warmen Palette
- Farben der kalten Palette
- chromatische mit unchromatischen Farben
- entsättigte Farben mit ihrer Vollfarbe.

Andersartige Verwendung zweier Farben führt zur Kontrastbildung. Dies kann der Hervorhebung dienen aber auch ein unange-
nehmes Gefühl auslösen (Küppers, 2000)




Psychologische Farbwirkung

Farben haben für den Menschen eine ent-
scheidende Aufgabe bei der Wahrnehmung. Einige Wirkungen, wie die Aufmerksam-
keitssteigerung durch eine rote Fläche, sind zum Teil physiologisch bedingt (vgl. Wirth, 2001). Farben haben darüber hinaus eine ganze Reihe vielschichtiger Bedeutungen. Manche besitzen eine Symbolik, so steht Grün für die Hoffnung. Andere werden mit bestimmten Emotionen und Gefühlen asso-
ziiert (vgl. Heller, 1998; S. 13-17). Auch Substantive und Eigenschaften werden mit Farbtönen in Verbindung gebracht wie Ta-
belle 1 zeigt. Die Zuordnung von Farben bei Menschen kann unterschiedlich sein. Das liegt darin begründet, daß die Assoziationen zumeist durch Erfahrung und kulturellen Hintergrund bedingt sind. So mischen sich

individuelle Erlebnisse mit kulturellen und sind damit Ergebnisse von Lernprozessen. In Ländern mit wenig Vegetation und Wüs-
ten steht Grün für das Paradies. In gemä-
ßigten Breiten dagegen ist Grün lediglich die vorherrschende Farbe der Vegetation (vgl. Heller, 1998; S.14). Bei den Urwäldern der Tropen spricht man mitunter von der grünen Hölle. Eine umfangreiche Sammlung aus dem deutschsprachigem Raum findet sich bei Heller (1998).

Die Tabelle illustriert weiterhin, daß es meist Farbkombinationen sind, welche die Assoziation mit einem bestimmten Sach-
verhalt auslöst. Nach Heller (1998) steht Rot im Zusammenhang mit Rosa für die Liebe und im Zusammenhang mit Schwarz für das Gegenteil - Haß (vgl. Heller, 1998; S. 13).


Tabelle: Farbassoziationen (Quelle: Kroeber-Riel, 1996; S. 145)


   
Wahrheit

Wärme Kühle


   weiß 40%

   blau 27%

   gold 16%





rot 42%

orange 23%

braun 12%

gelb 8%

gold 5%


blau 46%

silber 14%

weiß 13%

grau 11%

grün 6%




Literatur

Birbaumer, N., Schmidt, R.S. (1996). Biopsychologie. Berlin: Springer.

Grüsser, O.-J., Grüsser-Cornehls, U. (1973). Physiologie des Sehens. In: Schmidt, R.F. (Hrsg.). (1973). Grundriß der Sinnesphysiologie. Berlin /Heidelberg: Springer

Handwerker, H.O. (1993). Allgemeine Sinnesphysiologie. In: Schmidt, R.F. (Hrsg.). (1993). Neuro- und Sinnesphysiologie. Berlin /Heidelberg: Springer

Heller, E. (1998). Wie Farben wirken. Reinbeck: Rowohlt.

Küppers, H. (2000). Küpper`s Farbenlehre. Online-Dokument: http://www.darmstadt.gmd.de/
Kueppersfarbe/didaktik3.html


Nathans, J. (1990). Die Gene für das Farbensehen. In: Singer, W. (Hrsg.). (1990). Gehirn und Kognition. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft, S. 42-43

Wirth, T. (2001). Aufmerksamkeitsgesetze. Online-Dokument:
http://www.kommdesign.de/texte
/aufmerk4.htm




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